St. Anna Apotheke

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Wenn das Herpes-Virus »erwacht«

Die meisten von uns sind seit der Kindheit Träger des Herpes simplex-Virus.
Im Allgemeinen lässt sich ganz gut damit leben; doch wenn das Immunsystem ­»müde« wird, »erwacht« das Virus: Fieberblasen sind die lästige Folge!

AUTOR: MAG. PHARM. DR. ALFRED KLEMENT

 

Fieberblasen werden vom selben Herpes simplex-­Virus ausgelöst wie Windpocken und Gürtelrose. Das höchst infektiöse Virus – es kann auch über die Luft übertragen werden – »begegnet« uns meist bereits in der Kindheit und schlummert ab dem Zeitpunkt der Infektion unbemerkt in unserem Körper, dessen Immunsystem ihn in Schach hält. Ist das Immunsystem geschwächt bzw. gerade mit z.B. Erkältungsviren »beschäftigt«, kann das Virus aktiv werden und Fieberblasen auslösen. Schon mit der Bezeichnung »Fieberblasen«, Fachausdruck ist Herpes labialis, bezieht man sich auf die herabgesetzte Funktionalität des Immunsystems im Rahmen eines fieberhaften Infektes, welche die schlummernden Herpesviren »aufwachen« lässt.

Rund 50 bis 90% der Weltbevölkerung hat schon eine Herpes simplex 1-Infektion hinter sich, in Europa sind es ca. 85%.
Die Ansteckung mit Humanem Herpes-Virus 1 (HHV 1) erfolgt meist im Kindesalter im Familienbereich, z.B. beim Küssen. Auch Schmierinfektionen sind möglich, z.B. bei der Benutzung von unsauberen Gläsern. Nach einer Primärinfektion treten nur bei 1% der Kinder Symptome auf, die außerdem wenig Besorgnis erregend verlaufen, wie eine unspezifische Zahnfleisch- oder Rachenentzündung, die narbenlos abheilt. Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 12 Tage, der Speichel der Kinder bleibt bis zu 23 Tage infektiös und kann vom Mund durch Daumenlutschen auf Auge und Nase übertragen werden.
HHV gelangt über die Mundschleimhaut in Nervenbahnen und »versteckt« sich in Nervenknoten, wo es jahrelang ruhen kann. Bei Gelegenheit wird das Virus aktiv und wandert von dort zur Mundschleimhaut zurück. Etwa ein Drittel der Infizierten erleidet ab dem Teenageralter wiederkehrende Fieberblasen-Ausbrüche, von denen die meisten zwei- bis dreimal jährlich betroffen sind, 5 bis 10% mehr als 6 mal pro Jahr und 1% bekommen sie sogar monatlich!

Früh genug behandeln!
Die Entwicklungsstadien von Fieberblasen reichen von spürbaren »Vorläuferzeichen« – Betroffene kennen dieses Kribbeln genau – bis zu sichtbaren Hautveränderungen und gehen mit der raschen Vermehrung der Herpesviren einher. Nur eine frühzeitige Behandlung kann den Erkrankungsverlauf entscheidend beeinflussen.
Der Beginn der Behandlung sollte so früh wie möglich, also bei den ers­ten Anzeichen erfolgen. Diese umfassen ein Spannen der Lippen mit Kribbeln und Juckreiz und eventuell eine leichte Hautrötung. Unterbricht man dann die Virusvermehrung in der Haut nicht durch Virustatika, so kommt es innerhalb der nächsten 24 bis 48 Stunden zur explosionsartigen Vermehrung der Viren. Die Dauer und Schwere der sich anschließenden Phasen – man nennt sie Papel-, Bläs-chen-, Ulzerations- und Verkrustungsphase – sind individuell unterschiedlich. So kann die Vorläuferphase bei dem Einen nur wenige Stunden, beim Anderen 2 Tage dauern. Der gesamte Infektionsprozess umfasst bis zur Abheilung 9 bis 14 Tage.
Küssen verboten: Die größte Ansteckungsgefahr besteht in der Bläs-chenphase und nimmt bei der Verkrustung ab. Fünf Tage später sind keine Viren mehr nachweisbar. Trotzdem soll man zur Sicherheit auf das Küssen verzichten, bis sich der Hautzustand normalisiert hat.

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