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Viele leiden darunter, wenige werden ernst genommen. Das Reizdarm-Syndrom ist eine Funktionsstörung des Verdauungstraktes mit chronischen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten und Blähungen. Das Allgemeinbefinden ist stark beeinträchtigt. Da beim Reizdarm keine organischen Veränderungen gefunden werden, ist diese Erkrankung weder bösartig noch ansteckend.

Der Reizdarm (= Colon irritabile) ist die häufigste Erkrankung des Darmes. Etwa 15% der erwachsenen Bevölkerung leiden in Europa an dieser Erkrankung. Ein Reizdarm-Syndrom tritt typischerweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr in Erscheinung. Frauen sind dabei zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Männer.
Bei etwa einem Drittel aller Betroffenen wird die Erkrankung chronisch, aber nur ein kleiner Teil der Patienten sucht überhaupt einen Arzt auf.
Typische Beschwerden
Dumpfe oder kolikartige Schmerzen, die oft nur schwer lokalisierbar sind und den gesamten Bauch betreffen können.
Stark wechselnde Stuhlkonsistenz mit Episoden von Durchfall und Verstopfung.
Häufige Darmentleerungen mit kleiner Stuhlmenge.
Gefühl der unvollständigen Darmentleerung sowie eines aufgetriebenen Bauches.
Völlegefühl, verstärkte Blähungen.
Schleimauflagerungen am Stuhl.
Unverträglichkeit diverser Nahrungsmittel.
Gefühl von Stuhldrang.
Veränderte Stuhlzusammensetzung (hart, wässrig, breiig).
Aber auch andere funktionelle Störungen wie Gastritis, Sodbrennen, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Menstruations- und Schlafprobleme werden beobachtet. Daneben treten oft Depressionen und Angstzustände auf. Die Betroffenen ziehen sich auch aufgrund der ständigen Beschwerden aus der Gesellschaft zurück.
Fieber, Blut im Stuhl, ungewollte Gewichtsabnahme und häufige nächtliche Durchfälle sind Alarmsignale, die für den Reizdarm nicht typisch sind und gehören sofort abgeklärt.
Wie kommt man zur Diagnose?
Die typischen Beschwerden und der Krankheitsverlauf lassen den erfahrenen Arzt bereits an den Reizdarm denken. Trotzdem müssen ähnlich verlaufende Erkrankungen wie Infektionen, Entzündungen, Krebs oder Allergien ausgeschlossen werden.
Routinemäßig werden daher Laboruntersuchungen von Blut (Leber, Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse, Entzündungsmarker) und Harn sowie Untersuchungen des Stuhls auf Blut, Bakterien oder Parasiten durchgeführt. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches gehört heute ebenso wie endoskopische Untersuchungen (Magen- und Darmspiegelung) zum Diagnosestandard.
Ebenso Tests zur Feststellung einer Allergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit (Laktose, Fruktose, Sorbit, Histamin) und Tests über die Leistungsfähigkeit der Verdauungsenzyme.
Die Behandlung
Ziel jeder Behandlung ist eine langfristige Beseitigung der Beschwerden und Verbesserung der Lebensqualität. Man muss die Betroffenen ernst nehmen und sie über ihre Erkrankung genau aufklären. Da die Beschwerden von Patient zu Patient oft erheblich variieren, braucht jeder Patient einen individuellen Therapieplan.
Diätetische Maßnahmen führen bei fast allen Betroffenen zu einer deutlichen Besserung der Symptome. Um einen genauen Zusammenhang zwischen Speisen und Beschwerden zu finden, sollte jeder Patient ein Tagebuch führen.
Obwohl es keine generelle Reizdarmdiät gibt und die Ernährung immer individuell gestaltet werden sollte, gibt es allgemeine Ernährungsempfehlungen, die bei fast allen Betroffenen eine Besserung der Beschwerden bewirken:
Reduzieren Sie Ihren Fettkonsum: Gehärtete Margarine und Mayonnaise meiden, Butter, Margarine und Öl reduzieren. Verwenden Sie zum Braten ausschließlich beschichtete Pfannen und mageres Fleisch. Lassen Sie das Fleisch nach dem Braten abtropfen. Meiden Sie Frittiertes und Wurstsorten mit hohem Fettgehalt.
Genussmittel reduzieren: Künstliche Süßstoffe, scharfe Gewürze wie Pfeffer oder Curry, Geschmacksverstärker wie Natriumglutamat und starker Zuckerkonsum führen oft zu einer Verstärkung der Beschwerden. In vielen Fällen lösen auch Zitrusfrüchte, Apfel- und Birnensaft sowie rohes Obst und Nüsse die Beschwerden aus.
Blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Kohl, Beerenobst, Steinobst oder Hefe sollten gemieden werden.
Kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol, Kaffee und Milchprodukte besser einschränken.
Meiden Sie hastiges »Zwischendurch-Essen«, ungenügendes Kauen und Hektik während der Mahlzeiten. Viele Symptome treten nämlich vorwiegend in Stresssituationen auf.
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